mit menschen
Da bin ich doch heute in Bayern, genauer in München, sitze im Ratskeller bei leckeren (bayerischen oder baierischen?) Käsespetzle (die ja eigentlich Knöpfle sind, aber wer wird schon kleinlich sein...), als mich ein doch recht betagter Mann anspricht. Er sei hier ja schon seit 35 Jahren, kenne diesen und jenen und überhaupt. Ein Urmünchner könnte man sagen.
Als er mich dann gegen später, Radler und Spetzle sind verdrückt, fragt, woher ich eigentlich komme, antwortete ich natürlich wahrheitsgemäß. Aus der Nähe von Stuttgart. Er: "Stuttgart?", jetzt deutlich begeisterter: "Ja , Mensch, die hom ja gest gwonna! Zwo zu Null, ge? Mensch, des hot mi gfreit. I bi ja a sechzger, verstehst. A sechzger. Des gönn I deane *bayerisches oder bairisches Schimpwort*. Dia kennan dia Meisterschoft obschreibn heuer."
Achja,
Andreas Gursky war auch sehr gut.
Als ich gestern abend beim Essen war, kam nach einer Weile ein sehr dicker Mann, der sich auf einem sehr kleinen Barhocker niederliess. Als nun der Abend und das Essen verstrich, rutschte die sehr weitgeschnittene Hose des sehr dicken Mannes auf seinem sehr kleinen Barhocker immer weiter nach unten.
Bis das beinahe unvermeidliche geschah: Man konnte die Sonne sehen. Auch am Nebentisch haben das wohl einige mitbekommen, die dann lautstark darauf aufmerksam machten, dass man "DAS LICHT AM ENDE DES TUNNELS" sehen könne. Der sehr dicke Mann auf seinem sehr kleinen Barhocker mit seiner sehr weitgeschnittenen Hose schaute sich kurz um und zog mit einem beherzten Griff in die Ritze eine Unterhose ans künstliche Licht. Er zuckte noch kurz mit den Schultern, liess sich ein kleines schmunzeln entgleiten und drehte sich wieder zu seinem Bier.
Da schaut man mir nichts dir nichts aus dem Fenster und erblindet beinahe augenblicklich: Der Nachbar fährt nur untenrum bekleidet auf seinem Rasenmäher spazieren. Denn Rasenmähen kann man das nicht nennen. Ausserdem: Es ist Mittagsruhe. Na warte.
Fünf Minuten später habe ich die Anzeige aufgegeben. Anonym natürlich, ich will ja keinen Nachbarschaftsstreit provozieren. Aber recht geschieht es ihm schon, dieser Nervensäge.
Als dann weitere zehn Minuten der Nachbar vor der Türe steht, bitte ich ihn höflich auf ein Bier in die Gartenlaube. Nachher redet er noch schlecht im Dorf über mich. Und dann? Das geht doch nicht. Also nein.
Jeden Tag steht ein Blöder auf? Nicht wirklich. Es kann nicht sein, dass es nur einen gibt, der sich morgens denkt: "So, heute bestell' ich mir mal was!" und beim erstbesten Anruf direkt zuschlägt. Ich meine, solchen Menschen traue ich alles zu. Leute, die von einer "Sie haben gewonnen"-Maschine angerufen werden und sich darüber freuen. Oder Penisvergrößerungspillen über das Internet bestellen. Oder in emails ihre Bankdaten weiterschicken. Oder auf lustige .exe-Dateien klicken. Einfach so.
Solche Menschen finden auch, das Beste, das man am Wochenende machen kann, sind Kaffeefahrten. Das wäre in etwa so, wie wenn ich behaupten würde, Syphillis wäre die beste Geschlechtskrankheit.
Ich mag in manchen Bereichen auch eher naiv sein. Noch an das Gute im Menschen glauben. Aber in einigen Bereichen habe ich mir einfach angewöhnt das zu lassen. Manche Menschen sind einfach nicht Gut. Sie sind Arschlöcher. Riesengroße, egozentrische Arschlöcher. Und profitieren nur davon, dass jeden Tag einer mehrere viel zu viele Blöde aufstehen und auf die Masche reinfallen. Warum ich nicht andere Menschen ausnutze? Ich bin eben einer von den Guten. Möge die Macht mit euch sein!
Gezeichnet
Hao Mao Skywalker
Er wusste schon gar nicht mehr, wie lange es nun her war. Zwei Jahre? Drei Jahre? Der Zahnarzt hat damals gemeint, das liegt an den Wurzeln. Die seien genetisch bedingt nicht die Besten.
Alle mussten raus. Nach und nach wären sie sowieso rausgekommen, meinte der Zahnarzt. Sie können sich ja dann noch entscheiden, welche Art von Gebiss sie wollen, hat er gesagt
Er liess sich eine Woche Bedenkzeit geben, ging in den nächsten Mediamarkt und kaufte sich einen neuen Mixer. "Mix-IT 2000" hiess der. Das Geld, dass ich mir dadurch spare, wird in Alkohol und geile Bräute angelegt, hat er sich damals gedacht.
Sein Essen nahm er vortan nur noch püriert zu sich. Und es war ihm egal was. Zum Frühstück zwei Brötchen mit Marmelade und ein bisschen Rührei? Kein Problem. Schnitzel mit Pommes und Ketchup? Pah! Der Mixer lachte nur darüber.
Sein Plan wurde auch direkt in die Tat umgesetzt: Der Teil mit dem Alkohol klappte auch wunderbar. Einige Bier, einige Schnäpse - und schon war der Abend gesichert. Aber wo waren die ganzen geilen Bräute? Die, mit denen er in Gedanken schon feiernd und jauchzend um seinen "Mix-IT 2000" saß und alle aus einem großen Pott schlürften?
Plautze, einer seiner Saufkumpanen, meinte, dass er vielleicht aufhören sollte ständig wieder in sein Bier zu sabbern. Das würde die Weiber abtörnen, wie er meinte.
Die Jahre vergingen, das Geld war sicher in Alkohol angelegt und die Wohnung blieb leer. Keine geilen Bräute, nichts.
Und die Moral von der Geschicht?
Glaube bloss der Werbung nicht!
Ich habe heute eine Einladung von einem Menschen bekommen, mit dem ich mal zur Schule ging, den ich ab und an mal sehe aber ansonsten keinen großen Kontakt habe. Und auch nicht seinen Geburtstag weiß. Wie verhält man sich dann da? Gratuliert man einfach mal? Wartet man bis zum Fest und macht das dann da? Ich habe mich erstmal für letzteres entschieden, auch wenn schon wieder aus unbestätigten Quellen berichtet wurde, er habe bereits Geburtstag gehabt. Peinlich, peinlich kann das enden...
»Die haben da ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt, als sie einen 120-jährigen als Nachfolger eines 122-jährigen eingesetzt haben.«
Zum Thema des Papstbesuches in Deutschland.
Es war doch erst letztes Jahr! Es kann doch nicht sein, dass man das j-e-d-e-s Jahr machen muss. Oder? Es sind eh immer die gleichen Fratzen in den gleichen Ecken und reden mit den gleichen Leuten das gleiche Zeug wie immer.
»Und? Was machst du gerade so?« Dieses geheuchelte Interesse. Nur um danach seine eigene Story zu erzählen, die mir kilometerweit am Allerwertesten vorbei geht. Und selbst meine eigene derzeitige Situation will ich diesen Schnarchnasen nicht auf die Nase binden.
Da ist man froh, diese ganzen Schleimer und Arschkriecher nicht mehr sehen zu müssen und dann kommt jedes Jahr diese eine schicksalsträchtige Einladungsmail.
Aber wenigstens ist das Essen umsonst. Will ich zumindest hoffen, sonst bleib ich zu Hause.
Ich sitze im Café, als eine atemberaubend schöne Frau den Laden betritt. Ich schaue sie an, aber sie ignoriert mich. Ich bin zum ersten Mal hier. In diesem Café. Ist eigentlich ganz nett hier. Klein, eng. Ich bestelle das »Single-Angebot«: Ein Brötchen, ein Kaffee, eine Marmelade, eine Butter. Single halt. Von allem eins. So wie ich.
Als ich wieder zu ihr schaue, sie hat Gott sei Dank einen Platz in meiner Nähe gewählt, sehe ich ihr »Pärchen-Spezial«. Verdammt. Auf den Typ bin ich gespannt.
Als sie bemerkt, wie ich sie anstarre, bekomme ich einen Blick. Keinen eiskalten, abweisenden »Verpiss DICH!«-Blick. Eher einen »Wenn dir dein lächerliches Single-Angebot nicht reicht, dann setz dich her, ich hab noch was übrig«-Blick.
Fünf Minuten später, man kann ja nicht sofort aufstehen und dahergedackelt kommen wie ein reinrassiges Hündchen für ein Würstchen, stehe ich gemächlich auf, nehme mein Tablett und setze mich mit einem halb genuschelten und halb freudigerregten »Morgen« auf den Stuhl ihr gegenüber. Sie nickt nur und liest weiter in ihrem Buch. »High Fidelity« von Nick Hornby. Genial, das lese ich auch gerade. Kaum gedacht, schon gesagt. Blöd eigentlich, aber irgendwie scheint es zu funktionieren.
Im Laufe der Unterhaltung wird klar, dass sie hier nie ein »Single-Angebot« bestellt, um Pennern, sie sagt Typen, aber eigentlich will sie Pennern sagen, wie mir oder wie dem sabbernden Gaffer am Eingang keine Angriffsfläche zu bieten. Wir »Typen« würden es eh erst merken, dass kein Freund kommt, wenn sie schon bezahlt hat und gegangen ist.
So langsam werde ich stutzig. Hat sie mich nur hergeholt, um mir eine Lektion in weiblicher Grausamkeit zu demonstrieren? Sie schaut auf die Uhr.
» Ich muss gehen. Ruf doch mal an.«
Ein kleiner Zettel bleibt auf dem Tischchen liegen. Keine Ahnung, wo sie den her hat. Darauf stehen zumindest ein paar zahlen. Ich gebe sie direkt in mein Mobiltelefon ein. Nicht, dass ich irgendwann freudestrahlen zu Hause stehe, die Nummer wähle und ran geht Oma Meier aus Dortmund. Aber es klingelt in ihrer Handtasche. Das ist ein gutes Zeichen. Ein sehr gutes Zeichen.
zumindest was das Durchschnittsalter in einer gemeinen Disko angeht. Die gemeine Disko an sich lässt nämlich, im Gegensatz zum Jugendschutzgesetz, allerlei kleines Fußvolk rein.
Nichtsdestotrotz begibt sich der Herr Haomao auf die Tanzfläche und, ganz ohne Hochnäsigkeit oder versteckter Eitelkeit, benimmt sich dabei gar nicht mal so blöd. In der Disko in die ich mitgeschleppt wurde meines Vertrauens gibt es, das muss man wissen, drei (Achtung Neudeutsch!) "Floors". Den Hauptraum, in dem die meiste Zeit dieser Techno läuft. Den Almrausch, wo es eben diese ganzen 80er-Jahre- und Ballermann-6-Lieder gibt. Und den Blackroom, in dem, wie der Name vermuten lässt, Musik von afrikanischen Amerikanern läuft.
Alle Tanzflächen nach und nach abgeklappert und Richtung Schluss dann im Almrausch hängen geblieben, da im Hauptraum auch nach drei Stunden immer noch Techno kam und das Zeug im Blackroom kein HipHop war (auch nichts in die Richtung. Ich werde mich hier aber auch auf keine Diskussion einlassen. Basta.). Auf jeden Fall kommt da dieses kleine Mädchen mit hasserfülltem Blick auf mich zu. Ich bin gut drauf und denke mir, die schaut so herrlich blöd, da schau ich mal blöd zurück. Sie starrt. Ich starre. Sie läuft mit ihrer Freundin händchenhaltend an mir vorbei. Und starrt. Ich starre auch. Nachdem sie an mir vorbei ist muss ich grinsen.
Ich denke nicht mehr daran, widme mich wieder der Musik, als etwa fünf Minuten später ihre kleine Freundin kommt und fragt: "Du meine Freundin möchte wissen, wie du heisst." - "Haomao." - "Mhm."
Gespräch zu Ende, keiner lässt sich mehr blicken, ich lache mich schlapp und der Abend ist somit auch gerettet. Herrlich.